Die Entwicklung der Anbauflächen im Mittelalter

Die ältesten Anbauflächen liegen unmittelbar bei den Hofstätten der Urhöfe. Ihre Rodung stellte neben der Errichtung der Hofstätten die Gründung des Dorfes dar, fand also wohl im neunten Jahrhundert statt. Wie hat sich diese Kultivierung von dem Dorfzentrum ausgehend über die hofnahen Flure bis in die Feldmark hinein vollzogen?
Den zahlreichen Flurnamen, die Hinweise auf die Bodenbeschaffenheit und den Bewuchs geben, können wir entnehmen, dass wir uns die mittelalterliche Gemarkung völlig anders vorzustellen haben, als sie sich heute mit ihren drainierten, „nahtlos" aneinandergereihten Feldern präsentiert. Da waren zwischen den Anbauflächen kleine Gehölze, Baumgruppen, einzelne Bäume, Hecken, Gräben, feuchte Sieke, Tümpel und unergiebiges Ödland. Eine Parklandschaft en miniature, wie wir sie uns vielleicht als Ergebnis der heutzutage propagierten Extensivierung der Landwirtschaft vorstellen können.

Der geschlossene nördliche und östliche Waldgürtel, der auch heute noch stellenweise vorhanden ist, reichte vom Quentsiek über das Grastruper Holz, Sassenholz, Bodenkamp, Poden, Retzer Holz bis Rhiene. Der lichtere Waldrand stieß an vielen Stellen weit in das ihm vorgelagerte Gebiet der Retzerheide und besonders des sich anschließenden bis Rhiene reichenden Retzer Bruchs vor. Diese mit Heide und Buschwerk bewachsenen Flächen, die Allmende (Gemeingut), waren das Hudegebiet für die Viehherden der Retzer Meier und kamen daher für die Erweiterung der Ackerflächen ebensowenig in Betracht wie die Sieke und die Feuchtwiesen an den Ufern des Rhienbachs. So ergaben sich als Richtungen für die Kultivierung: nach Süden, Südwesten und Südosten beiderseits der Ostwestfalenstraße und nach Westen, Richtung Grastrup.

Aus der heutigen Besitzstandskarte, d. h. aus der Form der Flurstücke, ihren Namen und aus den Besitzverhältnissen, kann man auf den Ausbauvorgang schließen: Die älteste Ausbaufläche, wie sie um die Jahrtausendwende bestanden haben dürfte, ist ein Rechteck, das von der Ostwestfalenstraße durchschnitten wird und von der Auffahrt Retzen im Westen bis zum Industriegebiet Lemgo-West reicht. Hier hatten alle Retzer Höfe Streifenparzellen. Streifenflure entstanden, wenn mehrere Höfe zusammen, sogenannte Markgenossenschaften, ein Gebiet erschlossen und dann aufteilten. Auf diese Weise wurde nur bis ins zwölfte Jahrhundert gerodet. Auch Flurnamen wie „Mark" oder „Brede" lassen auf eine gemeinsame Nutzung durch eine Markgenossenschaft schließen, wenn auch vielleicht nur als Wald. Hier einige Flurnamen des ältesten Ausbauteils:
„Mühlenbrede", hier führte der Weg zur Mühle,
„Kiliansstück", vom Ertrag dieses Ackers waren Abgaben an die Schötmarsche Kirche zu leisten,
„Fiehnhofe", Moorgehölz oder
„Schwiebschlag", Hähergehölz.Bei den weiter westlich gelegenen Ausbauflächen fehlen die Streifenflure, wahrscheinlich ist hier also die Fläche stückweise von einzelnen Höfen allein kultiviert worden.

In diesem umfangreichen Gebiet zwischen der Ostwestfalenstraße im Süden, den die Urhöfe umgebenden Altfluren im Osten, der Gemarkungsgrenze zu Grastrup im Westen und der Lehstraße und der Retzerheide im Norden liegt heute der Großteil der Retzer Wohnstätten. Damit die Retzer Bürger erfahren, auf welchem sie wohnen, sind Lage und Namen der Flurstücke wie auch zur besseren Orientierung die heutigen Straßennamen in einer Karte dargestellt. Einige Namen seien erläutert:„Körken" ist ein alter - in Lippe oft vorkommender - Name für ein Landstück an einem Hohlweg, „Kloster" und „Hinterm Kloster" waren dem St. Marien-Stift in Lemgo abgabepflichtig, „Der Eppel" : Meppel = Maßholder/Feldahorn, „Wockenbrink": Duwocken = Ackerschachtelhalm „Fortkamp" : Furt durch den Rhienbach und „Stubensiek": Stubben = Baumstümpfe.

Die Flurnamen im Bereich der Retzer Siedlung

Die Flurnamen im Bereich der Retzer Siedlung

In diesem umfangreichen Gebiet zwischen der Ostwestfalenstraße im Süden, den die Urhöfe umgebenden Altfluren im Osten, der Gemarkungsgrenze zu Grastrup im Westen und der Lehstraße und der Retzerheide im Norden liegt heute der Großteil der Retzer Wohnstätten. Damit die Retzer Bürger erfahren, auf welchem sie wohnen, sind Lage und Namen der Flurstücke wie auch zur besseren Orientierung die heutigen Straßennamen in einer Karte dargestellt. Einige Namen seien erläutert:„Körken" ist ein alter - in Lippe oft vorkommender - Name für ein Landstück an einem Hohlweg, „Kloster" und „Hinterm Kloster" waren dem St. Marien-Stift in Lemgo abgabepflichtig, „Der Eppel" : Meppel = Maßholder/Feldahorn, „Wockenbrink": Duwocken = Ackerschachtelhalm „Fortkamp" : Furt durch den Rhienbach und „Stubensiek": Stubben = Baumstümpfe.

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