Der 30jährige Krieg

Dank dem Bemühen des seit fünf Jahren regierenden Grafen Simon Neutralität blieb Lippe bis 1621 von Zerstörungen verschont.

Aber nach drei Kriegsjahren begann der Leidensweg auch für die Bevölkerung Retzens und der umliegenden Dörfer. Die Hengstheide, südlich an Retzen grenzend, wurde Aufmarschgebiet des Herzogs von Braunschweig, der für die evangelische Union kämpfte und das - wie ganz Lippe - ebenfalls evangelische Lemgo belagerte, um Beute zu machen. Als der „tolle Christian" nach Wochen endlich weiterzog, waren die Bauern, die Ausschreitungen und Gräueltaten dulden mußten, das erste Mal hart getroffen. Das Gebiet zwischen Lieme und Retzen sollte aber noch dreimal Feldlager großer Truppenverbände beider Kriegsgegner werden, deren Söldner sich nicht nur in den umliegenden Dörfern einquartierten, sondern mordend, plündernd und brandschatzend die notleidende Bevölkerung drangsalierten, was der folgende Ausschnitt aus der Lehbrinkschen Hofchronik schildert:

„1635 nahmen die Krieger den Retzern ihre Kühe. Als „die Räuber" durch Wüsten und „dem Warenholzischen" mit dem Vieh zogen, nahmen die dortigen Bewohner ihnen das Vieh ab. Die Räuber kamen nun nach Retzen zurück und sperrten die Landwirte sämtlich ein, „bis alles restituieret worden".

Die Schweden, die katholischen Kaiserlichen unter Tilly, sie zogen alle auf dem Hellweg nach Salzuflen oder Lemgo.Der Hof Bicker war abgebrannt, andere lagen jahrelang wüst und leer.

Hinzu kam noch, dass sich - nicht zuletzt wegen des Krieges - zwei Pestwellen 1626 und 1636 über das Land ausbreiteten. Die Beulenpest von 1636 forderte besonders viele Opfer.In der Chronik des Hofes Lehbrink ist zu lesen:„Die Leichen konnten nicht mehr auf dem Kirchhof in Schötmar beigesetzt werden und wurden daher in den Wegen verscharrt." In Retzen blieb kaum eine Familie verschont. Rhiemeiers in Rhiene, Beinings, Bickers, Frickes, Krummes und Lehbrinks hatten viele Opfer zu beklagen oder starben aus. Als der Krieg 1648 ein Ende fand, war die Bevölkerung um ein Viertel auf 112 Einwohner zurückgegangen. Vom Hof „uf dem Rine" (Rhiemeier) heißt es beispielsweise in der Chronik des Hofes Fricke:

„Diese Stätte ist woiste und ledig gestorben".

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