Die siedlungsgeschichtliche Entwicklung bis 1969

Das Retzer Mahnmahl Die Retzer Bevölkerung wurde wie die jeden anderen Ortes durch den ersten Weltkrieg hart getroffen. Die Namen von 51 Gefallenen und Vermissten sind eingemeißelt in die Sandsteinplatten des gemeinsamen Ehrenmals der Orte Retzen, Grastrup und Papenhausen. Die Geldentwertung und andere Kriegsfolgen verhinderten in den zwanziger Jahren eine Bautätigkeit. 1922 wude durch den Ausbau der „Neuen Straße", heute Albrecht-Bicker-Straße, eine zweite Verbindung zwischen dem Dorfkern und der Retzerheide geschaffen. Das Gelände gehörte ursprünglich zu Hof Bein ing, dieser wurde 1918 von Albrecht Bicker gekauft. Nun standen Baugrundstücke in günstiger Lage zur Verfügung; aber wer konnte sie schon erstehen? Erst 1930 bis 1939 wurden fünfzehn Parzellen bebaut. Ein Zweifamilienhaus mit Grundstück kostete damals etwa 15.000 Mark. Äußerst preiswert sollte man heute glauben, aber ein Tischler in der Möbelfabrik verdiente pro Stunde 55 bis 58 Pfennige. An der Alten Landstraße wurden im gleichen Zeitraum sechs Wohnhäuser, die Schmiede der Gebrüder Steinhage und die Werkstatt des Installateurmeisters Spellmeier gebaut.
Als der zweite Weltkrieg ausbrach, wohnten in Retzen (mit Papenhausen) 886 Menschen. Der zweite Weltkrieg hatte noch schlimmere Folgen als der erste. Zwei weitere Tafeln des Ehrenmals tragen die Namen von 99 Gefallenen und Vermißten. Von den 1.165 Einwohnern Retzens im Jahre 1948 war fast ein Drittel Flüchtlinge und Vertriebene.

Auch die Notjahre nach dem zweiten Weltkrieg waren in politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Sicht ganz andere als nach dem ersten. Die menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge und Vertriebenen, denen es an allem fehlte, stellte die Verantwortlichen oft vor schier unlösbare Aufgaben. Nur durch Schaffung neuen Wohnraums war eine merkliche Linderung der Not zu erreichen.

Ende der 60er Jahre Dem Gemeinderat unter Bürgermeister Blanke gelang es, durch Landkauf aus bäuerlichem Besitz Baugelände zu gewinnen. 1950 wurde die Gartenstraße, heute Wilhelm-Blanke-Straße, angelegt. Von hier aus sollte sich die neue Siedlung abschnittweise nach Osten bis zum alten Dorfkern ausdehnen. Grundstücke von 800 -1 .200 qm konnten sehr preiswert erworben werden. Unter bestimmten Voraussetzungen wurden Landesdarlehen gegeben, die Wohnungsbau- und Siedlungsgenossenschaft Lemgo stellte Finanzierungspläne auf, bei den meisten mit hoher praktischer Eigenleistung.

Ein Bauboom nie dagewesenen Umfangs setzte ein. Wer noch zögerte, wurde vom Bürgermeister ermutigt. Vorbedingungen, die heute für die Erschließung eines Wohngebietes ebenso selbstverständlich wie vorgeschrieben sind, wurden zurückgestellt. Jeder musste seinen eigenen Brunnen und seine Kläranlage bauen. Oberstes Ziel war die zügige Schaffung von Wohnraum.
Die Gemeinde kaufte von der Familie Silberbach deren Stätte auf und konnte 1955/56 durch weiteren Ankauf und Landtausch die Siedlung planmäßig in drei Bauabschnitten bis zum Stubensiek erweitern. Mehrere Geschäfte wurden eröffnet; 1959/60 konnten die neue Schule und die Kirche eingeweiht werden.

Als Bürgermeister Blanke 1960 plötzlich starb, übernahm sein Stellvertreter Gustav Schormann sein Amt.

Die Straßen und Wirtschaftswege wurden ausgebaut, die Kanalisations- und die Wasserversorgungsanlagen erweitert. Die Straßen erhielten eine moderne Beleuchtung. Eine für dörfliche Verhältnisse große Turnhalle wurde erstellt und die bescheidene Friedhofskapelle umgestaltet und erweitert.

Über neunzig Einfamilienhäuser und zwei Mehrfamilienhäuser waren bis 1969 entstanden. Die sinnvolle Planung hatte zu einer Homogenität zwischen dem alten Dorf und der neuen Siedlung geführt.

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