Der Retzer Goldmacher

Zum Schluss soll eine Begebenheit erzählt werden, die noch im letzten Jahrhundert der Retzer Bevölkerung in lebendiger Erinnerung war, seitdem aber in Vergessenheit geraten ist: Graf Simon VI., wohl einer der bedeutendsten unter den lippischen Regenten, liebte nicht nur die Literatur, Musik und Malerei, sondern er stand auch - wie viele Renaissancefürsten - der Alchimie sehr aufgeschlossen gegenüber. 1606 nahm er den hessischen Rittmeister und Alchimisten Jobst von Sangershausen in seinen Dienst. Warum er ihm nach langen Verhandlungen seinen von Lubbert de Wendt gekauften Hof in Retzen zur Verfügung stellte, ist nicht überliefert. Gewöhnlich befanden sich die geheimnisvollen Alchimistenküchen streng bewacht bei Hofe, und die „Goldmacher" wurden wie in einem goldenen Käfig gehalten.

Kale, so wurde Jobst von Sangershausen genannt, erhielt alle erforderlichen Vorrichtungen, Instrumente, Chemikalien und Essenzen. Sicherlich wird sich der Graf, im alchimistischen Schrifttum sehr bewandert, gewundert haben, dass Kale für den entscheidenden Umwandlungsprozeß nur ' Kohle anforderte. Da aber Jobst sogar die zu erwartende Goldmenge angeben konnte, hegte Graf Simon keinen Zweifel am Gelingen.
Er stellte allerdings die Bedingung, dass Kale innerhalb von zwei Jahren erfolgreich sein müsste.

Die Frist war abgelaufen, ohne dass der Alchimist sein Versprechen eingehalten hatte.
Enttäuscht über diesen Ausgang und empört darüber, dass Jobst von Sangershausen das Ansinnen gestellt hatte, ihm die Drostenstelle von Varenholz zu übertragen, forderte Simon Vl. den Scharlatan auf, Retzen schnellstens mit seiner Familie zu verlassen.
Der Rittmeister war entrüstet, berief sich auf seine adelige Herkunft und wandte sich an seinen früheren Landesherrn, Moritz von Hessen, um Fürsprache. Aber der Vermittlungsversuch misslang.
Jobst von Sangershausen verließ heimlich Retzen, nachdem er vorher seine Alchimistenküche demoliert und die Retorten in den Volkhauser Bach geworfen hatte. Retzen ist also nicht das Golddorf geworden und auch nicht ein zweites Meißen, wo der Alchimist Böttger das „weiße Gold", das Porzellan, erfunden hat.

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